Mathias Kiennast
Mathias Kiennast heiratete am 21. Oktober 1710 die Kaufmannstochter Eva Maria Wendler, deren Familie im Haus Nr. 7 in Gars am Kamp Handel trieb. Er begründete somit die Handelsdynastie. Mathias Kiennast handelte im "G'wölb", mit Spezereien, Salz in Stöcken, Zuckerhüten, Kräutertees, Kaffee, Tuch, Linnen und Gewürzen. Wie aus den Geschäftsbüchern ersichtlich, war der Kundenkreis schon sehr bald nicht nur auf Gars beschränkt, sondern erstreckte sich auch auf die weitere Umgebung. Dies ist bezeichnend für die damalige Zeit, in der der Handel erstmals aufblühte. Mathias Kiennast war einer der ersten in der langen Reihe der Kiennast, der als Ratsherr/Videmrichter die politischen Geschicke von Gars leitete.
Franz Anton Kiennast
1740 übergab sein Vater Mathias das "G'wölb" an Franz Anton Kiennast. Aus dessen Lehrbrief wurde der "Adler" als "Kiennast-Wappen" entnommen. Bald nach der Übernahme tauchten neue Waren in den Geschäftsbüchern auf: Holländisches Gelbholz, Mohnöl, Fliegenstein, Bleyzucker, Cichory und Taufstein. In der Umgebung von Gars am Kamp wurde viel Safran angebaut, diesen kaufte Franz Anton Kiennast auf und verschickte ihn. In seine Zeit fallen die Anfänge des technischen Zeitalters und damit einhergehend die Industrialisierung. Auch Zeichen der Kriege, die in dieser Zeit geführt wurden, sind aus den Geschäftsbüchern ersichtlich - die Steuern ("Gwerbsteuer", "Gmainbetrag" und "Wöggelt", "Schulden- Steuer", "Recroutierungsgeld", "Recroutierungskosten" und "Wachtgeld") wurden eingeführt und in weiterer Folge jährlich erhöht.
Ignaz Franz Kiennast
1790 übernahm Ignaz Franz Kiennast das Geschäft von seinem Vater. Ein "Tabakrevisionsvermerk" aus dem Jahr 1819 zeigt, dass er einer der ersten Besitzer einer Großtrafik, also eines Tabakverlages, war. Er durchlebte mit der französischen Revolution und den Heerscharen französischer Soldaten, die 1809 die Garser Burg in Schutt und Asche legten, sowie dem Staatsbankrott 1811 äußerst schwierige Zeiten. Es folgte allerdings der Aufschwung nach dem Wiener Kongress, was zu Tageslosungen zwischen 300 und 600 fl führte, die sowohl aus den Verkäufen im "G'wölb", als auch auf den Märkten in Neupölla, Ravelsbach und Horn lukriert wurden. Die Industrialisierung schritt weiter voran, der Schiffsverkehr wurde mit der Erfindung der Schiffsschraube revolutioniert. Ignaz Franz Kiennast konnte sein Geschäft ausweiten, was sich in dem Zukauf des Hauses Nr. 8 im Jahre 1831 widerspiegelt.
Carl Kiennast
Carl Kiennast, der seine Lehrzeit traditionsgemäß in der Fremde, und zwar in Budweis, verbracht hatte, übernahm 1835 das alte "G'wölb". Dies stellte mit Waren, Viehstand und Einrichtungen einen Wert von 24.530 fl dar. Ein altes Kassabuch aus dem Jahre 1836 zeugt von den stetigen Ausweitungen, welche das Geschäft im 19. Jhdt. aufgrund der Tüchtigkeit seiner Besitzer erzielen konnte. 1840 wurde Carl Kiennast zum "Briefsammler in Eid" ernannt, was der Funktion des ersten Postmeisters von Gars entsprach. Er stand den Errungenschaften der neuen Zeit, wie Petroleum, Morsetelegraph, Photographie aufgeschlossen gegenüber und ergänzte das Warensortiment unter anderem durch Ciocolad, Bisquitten und Wachsleinwand. 1872 wies Carl Kiennast ein Vermögen von 68.564 Gulden aus.
Komm.R. Julius Kiennast
Komm.R. Julius Kiennast, der das Geschäft ab 1877 führte, trieb den Ausbau des Geschäftshauses voran und ließ 1887 das alte Gewölbeportal modernisieren. Er etablierte eine Eisenhandlung, den Verkauf von Kunstdünger und die hauseigene Herstellung von Essig und Branntwein. Bei der Gründung der Postsparkasse 1883 steht der Name Kiennast unter den Gründern. Ab 1889 erleichterte der Bau der Kamptalbahn den Gütertransport. 1895 wurde der angesehene Kaufmann zum Bürgermeister von Gars am Kamp gewählt - ein Amt, das er 24 Jahre lang inne hatte. Bis 1895, dem Jahr als Gars ein staatliches Postamt erhielt, übte er auch die Funktion des Postmeisters aus. Während seiner Zeit als Bürgermeister erlebte Gars den ersten Aufschwung als Fremdenverkehrsort. 1910 errichtete KR Julius Kiennast die erste Benzin-Zapfsäule am Hauptplatz.
Komm.R. Julius Kiennast
Komm.R. Julius Kiennast, der Jüngere, setzte zunächst die Aufwärtsentwicklung der Firma fort. Im ersten Weltkrieg wurde jedoch vieles zerstört. Nach Kriegsende pflegte Julius Kiennast vor allem Großhandels- beziehungen und baute das Geschäft wieder auf. Die Umsätze stiegen, die Zahl der Angestellten erhöhte sich. Für diese errichtete er ein eigenes Mitarbeiterhaus, eine Betriebsküche sowie Speiseräume. Darüber hinaus entstanden in seiner Zeit zwei Bahnhofsmagazine und eine Radioreparaturwerkstätte, wobei der Firmeninhaber Pioniergeist zeigte - er war 1921 einer der ersten Radioamateure Österreichs. 1926 bis 1938 setzte er im Amt des Bürgermeisters die Arbeit seines Vaters fort. Der zweite Weltkrieg störte den Ausbau des Handelshauses, der Firmeninhaber und zahlreiche Mitarbeiter wurden zur Wehrmacht einberufen. 1942 starb Julius Kiennast.
Komm.R. Herbert Kiennast
Komm.R. Herbert Kiennast, der 1947 Rosa Buhl heiratete, leitete zunächst den Wiederaufbau der Firma zusammen mit seiner Mutter Hilda Kiennast. Trotz der Besatzung gelang es, den Geschäftsumfang ständig zu vergrößern. Bereits 1947/48 wurde das Bahnhofslager erweitert und ein Großtanklager errichtet. 1951 begann die Modernisierung des Geschäfts, 1952 kam das Konfektionsgeschäft hinzu. Das Haus Nr. 9/10 ging in den Besitz der Firma über. 1955 wurde KR Herbert Kiennast Garser Bürgermeister und setzte damit die Familientradition fort. 1956 begründete er gemeinsam mit anderen Kaufleuten die "A&O-Freie Leistungs- gemeinschaft". 1958 entstand die neue Großhandelshalle - auf 1.500 m² Lagerfläche stellte man mit Paletten und Hubwagen die Waren für Kunden bereit. Ab 1964 wurden Frischwaren und Tiefkühlprodukte in das Sortiment aufgenommen. KR Herbert Kiennast verstarb 1972.
KR Julius Kiennast, Mag. Herbert Kiennast, Raimund Kiennast
Im Jahre 1972 trat Julius Kiennast in die Firma ein, Raimund Kiennast folgte ab 1973 (nach Beendigung der kaufmännischen Lehre) und Herbert Kiennast kam ab 1975 (nach Abschluss des Studiums an der Hochschule für Welthandel) hinzu. Sie führten das Unternehmen zunächst gemeinsam mit ihrer Mutter Rosa Kiennast. Die Familie arbeitete konsequent am weiteren Ausbau der vielen Bereiche des Handelshauses, wie etwa dem Aufbau der "Gastronomie-Belieferung", der Erweiterung der Großhandelshalle und der Errichtung des Nah&Frisch Supermarktes. Im Rahmen der Geschäftsleitung ist Julius Kiennast für Finanzen, Kaufleute und Tankstellen Shops verantwortlich, Herbert Kiennast leitet Einkauf, Logistik und Gastronomie Vertrieb und Raimund Kiennast ist für das Kaufhaus in Gars am Kamp zuständig.
Mag. Alexander Kiennast, Mag. Julius Kiennast
Ab August 2009 sind Mag. Julius Kiennast und Mag. (FH) Alexander Kiennast in das Handelshaus der Familie als Assistenten der Geschäftsführung eingetreten. Mag. Julius Kiennast (30) ist Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien. Berufserfahrung sammelte er als Trainee bei Wal-Mart Germany sowie als Key Account Manager bei Henkel Österreich in Wien.
Mag. (FH) Alexander Kiennast hat an der FH Wien den Studiengang für Unternehmensführung abgeschlossen. Seine berufliche Erfahrung holte er sich bei Vöslauer Mineralwasser AG im Zuge eines Berufspraktikums. Anschließend war er als Unternehmensberater bei CFP Consulting Unternehmensberatung GmbH tätig. Beide Junioren haben in den ersten sechs Monaten alle Bereiche des gesamten Unternehmens im Zuge eines internen Traineeprogrammes durchlaufen.
Seit Jänner 2010 verstärken Mag. Julius Kiennast den Nah&Frisch Vertrieb und Mag. (FH) Alexander Kiennast den Gastronomie Vertrieb tatkräftig. Mag. Michael Kiennast ist seit 1. Jänner 2010 im Tochterunternehmen Shop Top Service in Graz für die Unternehmensgruppe tätig.